Horoskop Kaiser Nero – Ist es soweit? Sind nun fast alle verrückt geworden?

Eben las ich interessiert eine Arbeit, vielleicht eine Doktorarbeit, über Astrologie der Antike. Hier ist sie. Rollen Sie sich getrost mal durch die ersten paar Seiten.

Als ich das Buch mir zu Gemüte führte stieg mein Blutdruck mit jeder Seite.

Jetzt hat er sich zum Glück wieder gesenkt und ist nur noch auf 180. Die Autorin hat kein einziges Mal sich die „Mühe“ gemacht eine der von ihr ständig zitierten astrologischen Aussagen praktisch zu erproben! Kein einziges Mal! Die Autorin verfährt wie eine Nonne, die Unterricht in Sexualkunde gibt. Sie hat nicht den Hauch irgendeiner praktischen Erfahrung aber maßt sich an „akademisch“ zu referieren.

Sie selber, geneigter Leser, können sich gratis ein sehr gutes Astrologieprogramm herunterladen und selber praktische Erfahrungen sammeln mit Astrologie. Genau dieses eben gemeinte Gratisprogramm nutze ich jetzt um Ihnen das Geburtshorsokop vom berühmt-berüchtigten Kaiser Nero zu zeigen, Sie können es, wie gesagt, leicht selber berechnen! Diese „Arbeit“ war der Dame, die oben genanntes Werk schrieb, zuviel? Warum ist sie durch die Lektüre der Texte – hat sie die eigentlich gelesen? – die sie andauernd zitiert, nicht zur Praxis angeregt worden? Seit wann lernt man Schwimmen auf dem Trockenen? Seit wann lernt man das Vögeln im Kloster? Offiziell, meine ich. 🙂


Was wir mit nacktem Auge sehen im Geburtshoroskop (alias Radix [von „Radix“, Wurzel, kommt unser Wort „Rettich“]) von Nero deckt sich perfekt mit dem, was der Astrologe Firmicus Maternus allgemein schrieb:

Neroprediction:

„The Sun was rising and his earliest rays touched the newly-born boy almost before he could be laid on the ground.“ This piece of information, from the historian Suetonius who was born the year after Nero’s death, gives us the exact birth time necessary for drawing up an accurate horoscope. According to the most famous astrological manual that has come down to us, Firmicus Maternus’s Mathesios written in 334 AD, the sun on the ascendant (the eastern horizon) „foretells the greatest good fortune …if Mars is in aspect to or in conjunction with the Sun, this indicates generalship and imperial powers, but together with ill-will, danger, impediment, contests and difficulties.“ (Firmicus p 88) Interestingly Firmicus here also says that if the sun on the ascendant is in conjunction with malefic planets (such as Mars) the eyesight will be weakened. Nero was short sighted.

Oben erwähnte Autorin nennt des öfteren Firmicus Maternus aber kommt kein einzigesmal auf die Idee, irgendeine der astrologischen Aussagen an einem Beispiel praktisch zu überprüfen. Das ist heute Wissenschaft?

Wir haben haufenweise historische Daten inklusive Geburtsdaten überliefert. Wir haben die technischen Mittel, die uns die astrologische Arbeit erleichtern. Wir werden immer mal wieder aktuelle Zeitzeugen von irgendwelchen Ereignissen, Beispiel Einführung des Euro, Beispiel Vertrag von Lissabon, Beispiel „Rettungsschirme“, Geburtshoroskop des US-Dollar oder der FDP und so weiter. Wir brauchen nichts weiter tun als diese Daten einzutippen in die astrologische Software und das Rechnen geschieht von selbst. Wir brauchen die Ergebnisse nur zu vergleichen mit den Aussagen alter Autoren.  Das ist doch einfach. Warum machen es dann so wenige?

Wir können die Daten von unser allgeliebter Merkel eintippen oder von unserem Freund Westerwelle und gucken was ihr Geburtshoroskop Schönes über sie aussagt und mit ein paar Tastaturbefehlen uns für ihre interessante Zukunft interessieren. Ich finde das spaßig und spannend, besser als Fußball.
Weil ich eben Fußball sagte. Sie bekommen jetzt schon wieder einen kostbaren Gratistipp. Betrachten sie getrost ein Fußballspiel, das gegenwärtig läuft und achten Sie auf den laufenden MC bezogen auf den Austragungsort und auch auf den Mond. Tun Sie das insbesondere wenn Tore fallen. Und noch ein Tipp: Achten Sie auf den Zeichenwechsel des laufenden MC. Das hat jetzt nicht nur mit Fußball zu tun. Achten Sie darauf, wenn Sie beispielsweise im Supermarkt sind. Sie werden staunen.

Jeder kann heute kostenlos  astrologische Berechnungen schnell und einfach vom Computer erledigen lassen. Es ist mehr als ich begreifen kann warum Leute schwafeln über Astrologie und niemals irgendeine praktische Erfahrung gesammelt haben. Früher hatte man die Ausrede der umständlichen arbeitsaufwendigen und zeitaufwendigen Rechnerei.

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2 Gedanken zu “Horoskop Kaiser Nero – Ist es soweit? Sind nun fast alle verrückt geworden?

  1. Duplessis

    Ich denke … die „g’scheite“ [=> ‚tumber‘] Au-TOR-in
    ist, WIE viele ihrer Wesensgefährten/innen, bereits VOR dem Niederschreiben mit den berühmten „SCHEUKLAPPEN der Voreingenommenheit“ an das Thema rangegangen.

    Echte wissenschaftliche Neutralität [Zwilling], widderhafter Forscherdrang und jungfräuliche Neugier, sind durch plutonische Gehirnwäsche so verbogen, dass nur noch „falsche Ergebnisse“ erzeugt werden können.

    Soll man „es“ bedauern – ja, die arme Person –
    deren FLEISSARBEIT arbeiten darf man ruhig IGNORIEREN.

    http://ilkalohmann.blogspot.com/2010/05/uwe-schultz-richelieu-der-kardinal-des.html

  2. Jonathan

    Nicht wenige Lehrstuhlinhaber gründen ihre Karriere auf der Herausgabe einer „historisch-kritischen Werkausgabe“ – sei es zu Kleist, Keller oder Kafka -, um ihren Schülern Gelegenheit zu bieten, den Fundus ungelesener Dissertationen zu vermehren. Deren Ehrgeiz erschöpft sich darin, Puzzle-Teile zu einem Ganzen zu fügen und in eine Vitrine zu stellen. Man ergötzt sich mehr am Stil als an der Substanz. Man spielt Theater auf dem Papier, rückt gelegentlich ein paar Kulissen zurecht, stellt aber nichts grundsätzlich in Frage. Der Respekt vor dem Text und seinem Autor ist viel zu gross als dass er Widerspruch erlaubte. Drum kommt auch keinem Altphilologen in den Sinn, einem Text mit der Brutalität naturwissenschaftlicher Methoden zu Leibe zu rücken – selbst Psychologen meiden Statistik, wenn das Wohl ihrer Lieblingstheorie auf dem Spiel steht.
    Ich glaube daher nicht, dass Susanne Denningmann den Computer vorsätzlich gemieden hat, sondern dass er in der akademischen Kultur, in der sie lebt, nur als Werkzeug zur Konservierung von Buchstabenfolgen vorgesehen ist.

    PS: Ich lese dieses Weblog mit wachsendem Vergnügen und geniesse Ihre pointierten Kommentare zu den Kalamitäten, die da kommen 😉

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