Tatsachen über Klimaveränderung – Konversationslexika aus dem 19. Jahrhundert berichten von Klimaschwankungen in Vergangenheit — im Mittelalter und in Vorzeit

Meyers Konversationslexikon –Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Ich traue inzwischen den Wärmlingen allerlei zu. Daher habe ich den kompletten Artikel kopiert und das Wichtige fett dargestellt.

Klima – Klumpenversicherung
gibt sich, daß 1831-40 und 1856-70 trockne und 1841-55 und 1871-85 feuchte Perioden gewesen sind, und daß diese Perioden in: allgemeinen mit den Klimaschwankungen zusammenfallen, wie sie aus den Wasserständen der abflußlosen Seen, der Flußseen und der Flüsse abgeleitet wurden. Einige wenige Gebiete zeigen dauernd ein geradezu umgekehrtes Verhältnis, einige andre bilden wenigstens temporäre Ausnahmen. Die Größe der Schwankung im Regenfall ist nicht für alle Erdteile dieselbe; in: Durchschnitt aller Stationen beträgt die Differenz des Maximums und Minimunis etwa 24 Proz. des vieljährigen Mittels, so daß also in den trocknen Perioden nur etwa drei Viertel des Regens der feuchten Perioden fällt. Aus diesen Resultaten kann die allgemein gültige Behauptung abgeleitet werden, daß sämtliche Land’ftächen der Erde seit 1830 säkulare Schwankungen im Regenfall erfahren haben, die mit den Perioden, welche sich aus den Schwankungen der Wasserstände in Seen und Flüssen ergaben, im allgemeinen im Einklang stehen. Eine Kompensation der verschiedenen Werte des Negenfalles findet dabei auf den Landflächen nicht statt; ob eine solche auf den Ozeanen eintritt, kann vorläufig nicht nachgewiesen werden. Die Größe der Schwankung, d. h. die Differenz zwischen dem Maximum und Minimum des Regenfalles, bleibt für jeden Ort ungefähr gleich, ändert sich aber von Ort zu Ort. In Prozenten des vieljährigen Mittels liegt dieselbe z. V. für Nord-deutschland zwischen 19 und 22 Proz., für das Ural» gebiet zwischen 30 und 33Proz., für Westsibirien zwischen 65 und 108 Proz., beträgt für die Vereinigten Staaten von Nordamerika an der Westküste 33 Proz., steigt dann in den trocknen Gebieten des fernen Westens auf 36 Proz. und nimmt darauf nach S. und O. wieder ab. Die Intensität der Schwankungen im Regenfall nimmt daher mit der Kontinentalität des Gebietes wieder zu.
Nm die trocknen und feuchten Perioden vor 1830 festzustellen, liegen nur spärliche Beobachtungen vor, doch genügen diese, um die ungefähre Zeit derselben Zu bestimmen. Mit Benutzung der daraus folgenden Resultate ergibt sich, daß die mittlere Länge einer feuchten Periode ungefähr 17,5 Jahre und die einer trocknen Periode ungefähr 18 Jahre, also die mittlere Länge einer ganzen Schwankung ungefähr 35,5Iahre betragen hat.
Ebenso wie Brückner die säkularen Schwankungen des Regenfalles untersucht und eine Aufeinanderfolge von feuchten und trocknen Perioden nachgewiesen hat, hat er auch die säkularen Schwankungen des Luftdruckes und der Temperatur einer genauern Betrachtung unterworfen. Dabei ergab sich, daß, soweit zuverlässige Baronieterbeobachtungen von hinreichender Dauer vorliegen, was freilich nur für einen beschränkten Teil der Erdoberfläche der Fall ist, jede regenreiche Periode von kleinern, jede Trockenperiode von größern Differenzen im Luftdruck, und zwar sowohl von Ort zu Ort, als auch für denselben Ort von Jahreszeit zu Jahreszeit begleitet ist. Diese Schwankungen des Luftdruckes, die sich gleichzeitig mit denen des Regenfalles vollziehen, muffen als die Ursachen der letztern angesehen werden, indem infolge derselben die ozeanische Luft schwerer in einer Trockenperiode und leichter in einer feuchten Periode aufs Festland übertreten kann.
In Bezug auf die Temperatur ergab die Untersuchung, daß wärmere und kältere Perioden abwechseln, die gleichzeitig auf der ganzen Erde auftreten, deren Damr im Durchschnitt 36 Jahre beträgt, und
bei welchen der Unterschied zwischen einem kältesten Lustrum und dem benachbarten wärmsten rund 1″ C. beträgt. Im großen und ganzen fallen die kühlen Perioden mit den feuchten, die wärmern mit den trocknen der Zeit nach zusammen, und wenn auch zuweilen geringe Verschiebungen vorkommen, so erscheinen diese immer in der Form einer Verspätung der Schwankungen des Regenfalles hinter denen der Temperatur. Ebenso wie die Schwankungen des Regenfalles in denen des Luftdruckes ihre Erklärung finden, werden die letztern wieder durch die Temperaturschwankungen hervorgerufen. Wodurch diese, welche als die ursprünglichen anzusehen sind, entstehen, ist noch eine offene Frage. Brückner nimmt an, daß sie durch eine verschiedene Intensität der Sonnenstrahlung veranlaßt werden.
Die Klimaschwankungen, welche sich auf die Niederschläge, den Luftdruck und die Temperatur beziehen, und deren Zeitdauer auf rund 36 Jahre gefunden wurde, sind aus Beobachtungen abgeleitet, die erst seit 1730 angestellt sind. Da sich seit dieser Zeit erst ungefähr 4V^ Oszillationen vollzogen haben, ist ihre Zahl zu gering, um die mittlere Länge einer Periode mit hinreichender Genauigkeit bestimmen zu können.
Um diese Schwankungen auch für frühere Zeiten zu verfolgen, hat Brückner noch die Beobachtungen über die Eisverhältnisse der Flüsse seit 1556, das Datuni der Weinernte seit 1391 und die Angaben über die Häufigkeit strenger Winter vom Jahre 1000 an gesammelt und konstatiert, daß die Jahre 1020-1888 25Kälteperioden und 25 Wärmeperioden, also 25 volle Schwankungen umfaßt haben, so daß die mittlere Länge einer einzelnen Schwankung 34,8 Jahre betragen hat, also etwas kleiner als die früher gefundene Zahl von 36 Jahren gewesen ist.
Die Bedeutung, welche die Klimaschwankungen für Theorie und Praxis besitzen, ist eine mannigfache.
Außer daß die verschiedene Ausdehnung der Gletscher das Bild eines Gebirges wesentlich ändert, erhalten auch die Ebenen ein andres Aussehenineinertrocknen Periode als in einer feuchten. Seen verschwinden zur Zeit von geringen Niederschlägen, um sich in oen feuchten Perioden wieder zu bilden. Flüsse und Bäche versiegen und entstehen wieder. Die Fluhschiffahrt leidet eine Zeitlang durch das Sinken der Wasserspiegel. Auch sind namentlich in kältern Ländern die Schwankungen der Temperatur auf die Dauer der Eisdecke der Flüsse von Einfluß und verkürzen oder verlängern die Zeit ihrer Schiffbarkeit. In der Mitte eines’kältesten Lustrums ist z.V. die Schiffahrt auf den Flüssen im nördlichen Rußland 20 Tage, auf denen in den Baltischen Provinzen 25 Tage und auf denen im südwestlichen Rußland einschließlich des Donau- und Weichselgebietes 32 Tage länger geschlossen als im Zentrum einer Wärmeperiode. Ferner üben die Klinmschwankungelt einen wesentlichen Einfluß auf die Erträge der Landwirtschaft. In feuchten Gegenden (Flußniederungen 2c.), wo die nassen Jahre die weniger ergiebigen sind, werden sich die trocknen Perioden durch reichliche Erträge auszeichnen, wäh Trockenperioden eintreten wird. Endlich sei noch erwähnt, daß die Klimaschwankungen auch
nicht ohne Einfluß auf die Gesundheitsverhältnisse sind, indem sich der Grundwasserspiegel parallel mit denselben hebt und senkt, wodurch nach Pettenkofer die Gesundheitsverhältnisse beeinflußt werden.
Klumpender sich cnmg, f. Rückversicherung.

Brockhaus:

Eine Menge von Thatsachen bezeugen aber, daß in noch längern Zeiträumen allerdings sehr bedeutende Veränderungen in dem Klima der meisten, wahrscheinlich aller Gegenden der Erde vorgegangen sein müssen. Man hat in kalten Gegenden Versteinerungen von Pflanzen und Thieren gefunden, welche einst hier gelebt haben müssen, die aber ihrer natürlichen Beschaffenheit nach nur in warmen, ja heißen Gegenden existiren können. Diese großartigen Veränderungen haben unstreitig darin ihren Grund, daß die Erde ihre Stellung auf ihrer Bahn verändert. Deutschland muß nach der Erzählung der Alten einst ein weit rauheres Land gewesen sein als gegenwärtig, und man sieht den Grund dieser Veränderung in dem Anbau des Bodens und der Ausrottung der

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