Springerblättchen „Welt“ leistet sich bitterböse Eigentore

Das Beste aus dem Hause des Axel Springer Verlages ist das Blättchen Die Welt.

Durch einen – wie stets – vorzüglichen Artikel im Blog von weissgarnix wurde ich aufmerksam auf einen Leitartikel der Welt. In diesem Leitartikel wird – Nachtigall ich hör Dich trappsen – die Freiheit des Internet beklagt. Insbesondere wird die Existenz von Blogs bejammert.

Weissgarnix hat in fulminanter Weise den Leitartikel des Lohnschreibers von der Welt auseinandergenommen.

Zweierlei möchte ich anmerken zu dem Elaborat aus dem Axel Springer Verlag.

Erstens beginnt der Artikel mit einer völlig falschen Behauptung:

„Eine stehende Redewendung lautet: „Das hab ich aus dem Internet“; so hört man [wer oder was ist „man“?] es immer öfter im Alltagsgespräch. Gerade so, wie man [???] etwas „im Fernsehen“ [Wo? In welchem Programm? Welcher Sender?] gesehen oder „in der Zeitung“ [In welcher? Käseblättchen oder Qualitätszeitung?] gelesen hat, dient der Bezug auf „das Internet“ als sich selbst genügender Herkunftsnachweis…“
Quelle.

Der Lohnschreiber der Welt stellt hier typisches Unterschichtsgebaren als akzepierten und zu akzeptierenden Normalfall hin. Als sei es ausreichend als Quellenangabe nur die Art des Mediums zu nennen.

Der Verfasser des Leitartikels scheint dumm zu sein, anders kann ich es mir kaum erklären. Welchen Umgang hat er? Glaubt er den Unsinn, der eben zitiert wurde, selber? Ich mutmaße nicht, dass jemand, der immerhin dafür bezahlt wird einen Leitartikel zu schreiben, wirklich so töricht  ist und muss also annehmen, er will den Lesern absichtlich ein X für ein U vormachen.

Die Dummheit liegt in der Behauptung es sei in gebildet sein wollenden Kreisen akzeptiert als Quellenangeabe Idiotenstatements zu akzeptieren, die da lauten:

  • „Im Fernsehen gesehen“
  • „In der Zeitung gelesen“

In beiden Fällen fehlt die genaue Quellenangabe. Es fehlt der Sender, das Programm, der Zeitungstitel. In beiden Fällen ist es so als würde gesagt:

„In einem Buch gelesen.“

Wie heisst das Buch? Wer ist der Autor? Aus welchem Verlag stammt es? Eben genannte Fragen, die noch zu erweitern wären, sind Hilfsmittel um zu klären, ob der Inhalt des Buches ernstzunehmen ist.

Keine Universität auf der gesamten Welt würde eine Arbeit akzeptieren in der die Quellen so angegeben sind:

„Habe ich in einem Buch gelesen.“

Der Autor des Leitartikels in dem besten Blättchen, was der Axel Springer Verlag zu bieten hat, tut so als sei es in einer Diskussion erlaubt als Quellenangabe zu sagen „Im Fernsehen gesehen“, „In Zeitung gelesen“. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall. Wer nicht genau den Titel der Zeitung angibt zeigt dass er nicht unterscheiden kann zwischen bunten Idiotenblättchen, die sich bekanntlich auch Zeitung nennen und beispielsweise Qualitätszeitungen wie etwa der Neuen Züricher Zeitung.

Alleine die Tatsache, dass etwas in einer Zeitung steht heisst noch nicht viel. Viel wichtiger ist es in welcher Zeitung es steht. Es gibt Blättchen, die schlicht keinen Ruf mehr zu verlieren haben, sie werden aber noch immer „Zeitung“ genannt.

Genauso ist es mit TV. Die meisten Sendungen sind für die Dummen. Folglich kommt es bei „Informationen“ aus dem TV erst recht auf die Quelle an. Sie muss genannt werden. Dass selbst ein Zwangsgebührenempfänger handfest Zensur betreiben kann hat uns im vergangenen Sommer das sinnentstellend geschnittene Interview mit Vladimir Putin gezeigt.

Zweitens:

Wir lesen im Leitartikel salbungsvolle Worte:

„Klassische redaktionelle Verarbeitung und handwerklich regelgerechte Präsentation der Information“ [Damit meint der Verfasser zum Beispiel Zeitungsverlage.]

Ein paar Zeilen vor der beschworenen „klassischen redaktionellen Verarbeitung“ und der „handwerklich regelgerechten Präsentation“ finden wir ein eklatantes Beispiel für „klassische redaktionelle Verarbeitung“ und „handwerklich regelgerechte Präsention“ im Leitartikel des Leitmediums des Axel Springer Verlages. Wir finden einen Heuler! Wir finden ein Musterbeispiel für handwerklich mißlungene Präsentation. Wir finden das (Hervorhebung durch mich) im 4. Absatz, erste Zeile:

„Nicht nur, dass es im gelang, über eine halbe Milliarde Dollar […]“

Rechtschreibung à la Springer? In einem Leitartikel der Welt? Geschrieben am 8.11.2008 um 01:32 also schon länger als 36 Stunden im Netz?

Soviel zur „klassischen redaktionellen Verarbeitung“ und der „handwerklich regelgerechten Präsentation“.

P.S. Ist es nicht urkomisch, daß der Artikel, der die Blogosphäre schlechtreden will ausgerechnet aus der Blogosphäre Hinweise erhält zur Qualitätsverbesserung und zur „handwerklich regelgerechten“ Schreibung?

P.P.S. Ist es nicht lustig, daß bezahlte Lohnschreiber eines großen Verlagshauses von  Bloggern gratis lektoriert werden?

P.P.P.S. 17 Uhr 06 Minuten und Fehler ist noch zu finden.

Ein Gedanke zu “Springerblättchen „Welt“ leistet sich bitterböse Eigentore

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