April 14, 2009...3:35 pm

Da lacht nicht nur der Astrologe: DIW wird keine Prognose für das Wachstum 2010 abgeben – Update

Zu den Kommentaren

Der Lacher des Jahres
Wissenschaftler bekennt Untauglichkeit der Methode

Der Chef vom  “Deutschen Institut für Wirtschaft” (DIW), Herr Prof. Zimmermann verkündet sein Institut – wieviel Geld bekommt es vom Staat? – werde keine Wachstumsprognose für 2010 abgeben:

DIW wird keine Prognose für das Wachstum 2010 abgeben

“Sämtliche Prognostiker – das DIW Berlin inbegriffen – haben die Entwicklung in all ihrer Dramatik so nicht vorausgesehen. Die Makroökonomik befindet sich in einem Erklärungsnotstand.”
QUELLE: http://www.swissinfo.ch

Ein hochrangiger Angehöriger der Prognosebranche, nein, wir wollen es genauer sagen: Ein hochrangiger Angehöriger des Teils der Prognosebranche, der in seiner Gesamtheit jährlich 1 Milliarde € vom Staat (=Steuerzahler) einsteckt (für was?) sagt öffentlich (siehe Link):

  • Sein Fachinstitut und alle anderen Fachinstitute auch hätten in ihren Prognosen nicht vorhergesehen was Realität wurde.
  • Die gesamte Theorie der Branche (sie nennt sich Wissenschaft!) habe einen Erklärungsnotstand.
  • In der gegenwärtigen extrem großen Unsicherheit (also gerade dann, wenn man Prognosen dringend braucht!) sei eine quantitative Prognose für das nächste Jahr nicht sinnvoll.

Gedenkt Prof. Zimmermann auf staatliche Gelder, die sein Institut meines Wissens bekommt, zu verzichten? Falls das DIW staatliche Gelder erhält: Womit rechtfertigt es den Bezug staatlicher Gelder?

Stimmen ihm die anderen Wissenschaftler zu in seiner Aussage es sei die Basis ihrer Wissenschaft revisionsbedürftig “Die Makroökonomik befinde sich in einem Erklärungsnotstand”?

Paradigmenwechsel

Haben wir es hier mit einem Strukturbruch zu tun wie ihn Thomas S. Kuhn beschrieb?


“The Structure of Scientific Revolutions”

Der Strukturbruch ist offensichtlich. Vom Steuerzahler gesponsorte Wissenschaftler versagten in ihren Prognosen. Musterbeispiel das DIW selber:

FAZ am 8.10.2008 (Hervorhebung von mir):

Für 2008 prognostiziert das DIW jetzt ein Wirtschaftswachstum von 1,9% nach bislang 2,7% und für 2009 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,0% nach bislang 1,2%. “Es gibt keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland“, sagte Christian Dreger, Konjunkturchef des DIW, am Mittwoch bei der Vorstellung des Konjunkturberichtes in Berlin.
QUELLE: http://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=86165558

Es herrscht Wettbewerbsverzerrung. Institute mit Mannschaften werden gesponsort vom Staat um Prognosen über das wirtschaftliche Geschehen zu erstellen und sie versagten trotz der staatlichen Gelder:

Hören wir Le Monde (Blaue Verdeutschung von HR):

Später werden sich Historiker sicherlich über ein Phänomen beugen, das die Krise in den Vereinigtern Staaten seit der Explosion der Immobilienblase im Sommer 2007 [!] begleitet hat. Wie kann man erklären, dass die Mehrheit der amerikanischen Analysten Monat für Monat “Vorhersagen” gegeben haben, die durch die Bank zu optimistisch waren, denen die  Realität der Fakten dann widersprach? Zudem wurden auch diese sehr oft im Folgenden von den öffentlichen Machthabern “korrigiert” in einem  stärker negativen Sinn, nachdem sie bereinigt worden waren.
Die am Freitag veröffentlichte Ziffer hat die Regel nicht widerlegt. Die Vorherseher rechneten im Schnitt mit einem Rückgang von 5,4 %. Einen Monat vorher war die von ihnen erwartete Zahl noch 3,8 %. Die schlußendlich registrierte Schrumpfung der Aktivität war noch niemals seit dem ersten Quartal 1982 dermaßen stark gewesen.

Plus tard, les historiens se pencheront certainement sur un phénomène qui a accompagné la crise aux Etats-Unis depuis l’explosion de la bulle immobilière, à l’été 2007. Comment expliquer que l’immense majorité des analystes américains, mois après mois, ont émis des “prévisions” systématiquement trop optimistes, que la réalité des faits a ensuite contredites ? D’autant que ces mêmes données ont, elles aussi, été très souvent “corrigées” ensuite dans un sens plus négatif par les pouvoirs publics après avoir été affinées.
Le chiffre publié vendredi n’a pas dérogé à la règle. Les prévisionnistes tablaient en moyenne sur un recul de 5,4 %. Il y a un mois, le chiffre qu’ils attendaient était encore de 3,8 %. La contraction de l’activité finalement enregistrée n’avait jamais été aussi forte depuis le premier trimestre 1982.
QUELLE: http://www.lemonde.fr/archives/article/2009/02/28/la-recession-s-accelere-aux-etats-unis_1161609_0.html

Die deutsche Zeitung FAZ fragte am 21.2. einen zum Wirtschaftsweisen Aufgestiegenen:

Warum hat kein Wirtschaftsforschungsinstitut die Schärfe der Rezession frühzeitig erkannt?

Seine windelweiche Antwort besteht im wesentlichen darin es als Leistung zu verbuchen im Dezember 2008, während laufender Rezession, einen Einbruch der Wirtschaftsleistung erkannt zu haben!
QUELLE: http://www.faz.net/

Wie kommt es, dass Wirtschaftsinstitute 2008 versagt haben, Vorhersagen lieferten, mit denen man das Klo tapezieren kann, die Rezession noch nichteinmal erkannten, als sie schon da war? Wie kommt es, dass mit Hilfe des Instruments der ernsthaften Astrologie (Astrologie Hamburger Schule) am 24.1.2008 vorhergesagt wurde:

Was momentan abläuft ist analog zum “reculer pour mieux sauter” wörtlich “zurückgehen um besser vorwärtsspringen zu können”, übertragen ausgedrückt “aufblähen um besser springen zu können”.
Es wird ein Sprung in den Abgrund.
QUELLE
(Bis zum genannten Datum rollen).

Hochbezahlte und reichlich mit öffentlichen Geldern bezahlte Wirtschaftsforschungsinstitute erzählten bis tief in den Herbst 2008 hinein es werde 2009 alles paletti sein. Dagegen machte ein Blog (dieser, in dem Sie soeben lesen)

Wir befinden uns mitten in einem Strukturbruch. Dass wir auf ökonomischem Gebiet einen Strukturbruch erleben erkennen ein paar Millionen mehr spätestens dann, wenn sie – leider! -  ihren Arbeitsplatz verloren haben. Der Strukturbruch geht weit über rein Wirtschaftliches heraus.

Heute erleben wir dass ein führender Wirtschaftsforscher öffentlich zugibt, dass die Erklärungsmodelle seiner Wissenschaft versagen! Der Professor, der das sagt, und auch seine Kollegen und Mitarbeiter, haben alle Jahre oder sogar Jahrzehnte gelernt, studiert, geforscht!

Die Wirtschaftswissenschaften wollten sich ähnlich machen den Naturwissenschaften und sie mathematisierten sich zudem immer mehr. Sie basieren auf gewissen, neuzeitlich bedingten, Grundannahmen, Paradigmen, Glaubenssätzen. Dass mit diesen Grundannahmen jetzt Vorhersagen nicht mehr zu leisten sind haben wir heute quasi amtlich gehört.

Völlig quer zu den Grundannahmen der Neuzeit liegen die jahrtausendelang bewährten Axiome der ernsthaften Astrologie (Klassische Astrologie und Uranian Astrologie alias Astrologie Hamburger Schule). Diese Grundannahmen wurden ab der beginnenden Neuzeit immer unpopulärer. Zum Programm der Neuzeit gehört unter anderem eine Entseelung des Kosmos, der Natur, gehört Quantifizierung ohne Ende.
Ernsthafte Astrologie – was in Zeitungs”horoskopen” steht ist keine Astrologie! -

  • widmet sich Qualität statt Quantität,
  • dem Wesentlichen statt dem Beigefügten
  • der in der Zeit codierten Information, die man weder sehen noch messen, wiegen, chemisch analysieren kann, die aber Strukturen erst entstehen lässt und zwar so wie es die Information vorgibt. Diese Strukturen, egal ob Verträge, Unternehmungen, Häuser, Tiere, Menschen, Autos, Staaten, Städte oder was auch immer, leben, wirken und vergehen analog zu der codierten Information. Diese Information ist mit den Mitteln und Methoden der neuzeitlichen Wissenschaft (messen was messbar ist und alles andere vernachlässigen, mit Messen sind gerade die allermechanischsten stofflichen Methoden Wiegen, Abmessen, Zerlegen gemeint) nicht erkennbar.
    Weil sie, die codierte Information, mit diesen Methoden nicht erkennbar ist, wird behauptet es gäbe sie überhaupt nicht.
    Jetzt erleben wir wie öffentlich ein Adept neuzeitlicher Wissenschaften (VWL begann mit den Merkantilisten, Aristoteles, die Stoiker und Thomas von Aquin lassen wir hier mal weg. VWL ging weiter zu den Physiokraten, Adam Smith, Ricardo, Karl Marx, Menger, Schumpeter, Mises,Wilhelm Röpke, Hayek, Keynes und vielen anderen. Grob gesagt haben wir heute 4 Richtungen: Marxisten, Monetaristen, Keynesianer, Österreichische Schule.) bekennt das Instrumentarium seiner Wissenschaft versage hier.

Update

Das Handelsblatt steckt uns ein Licht auf wofür die Bundesregierung Steuergelder ausgibt:

Die sogenannten führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die zweimal jährlich der Regierung ihre Vorhersagen präsentieren, lagen in den letzten acht Jahren einmal mit ihrer Konjunkturprognose richtig. Einmal.
QUELLE: http://www.handelsblatt.com

Das Handelsblatt nennt ein weiteres Versagen des DIW:

Im vergangenen Jahr lagen die DIW-Forscher mit ihren Prognosen kräftig daneben: Sie gehörten zu den wenigen Experten, die noch im November ein Wachstum für das vierte Quartal vorhergesagt hatten.
QUELLE: http://www.handelsblatt.com

(Wir leben inmitten eines potjomkischen Dorfes und der Kaiser trägt keine Kleider während fast alle jubeln wie famos er gewandet sei.)

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