Anna Eisenmenger schrieb Tagebuch.
Indirekt lernen wir es kennen durch ein Buch, das mises.org gratis veröffentlicht. Das Buch:
When Money Dies: The Nightmare of the Weimar Collapse
When Money Dies: The Nightmare of the Weimar Collapse
by ADAM FERGUSSON
WILLIAM KIMBER — LONDON, 1975
QUELLE: http://www.mises.org/resources/4016
berichtet in Kapitel 2 vom Erleben der Anna Eisenmenger.
und als die Lebensmittelknappheit der Kriegsjahre zur Hungersnot wurde entdeckte diese Witwe aus der Mittelklasse, dass sie sich immer stärker kriminellen Praktiken zuwandte um ihre Familie aufrechtzuhalten – einen kriegsblinden Sohn, eine tuberkulöse Tochter, einen beidseitig beinamputierten Schwiegersohn, einen hungrigen Enkel und einen anderen Sohn, der Kommunist geworden war. Sie nahm zu enormen Kosten Zuflucht zu Schleichhändlern – den Schmugglern – damit sie das notwendigste Essen bekam, das der Staat trotz der Lebensmittelkarten nicht mehr sichern konnte. ‘Hamstern’, obwohl ein strafbares Vergehen, wurde nichts weiter als gesunder Menschenverstand. Betrüblich des sinkenden Lebensstandards und sinkenden sozialen Standards ihrer Familie bewusst, war Frau Eisenmenger dennoch in der glücklichen Lage Investments zu haben, die ihr 1914 fast 5000 Kronen im Jahr einbrachten, etwa gleich 200 Pfund Sterling.
and as the food shortage of the war years turned to famine, this middle-class widow found herself progressively turning to illegal practices to keep her family going — a war-blinded son, a tubercular daughter, a son-in-law with amputated legs, a hungry grandson, and another son who had become a Communist. She began to resort at enormous expense to the Schleichhcindler — the smugglers — for the most basic foods which, despite ration cards, the State could no longer supply. ‘Hamstering’ — hoarding — though an indictable offence, became no more than commonsense. Pitifully aware of her family’s lowering standard of living and social status, Frau Eisenmenger was nevertheless lucky in having investments which in 1914 brought her nearly 5,000 kronen a year — equal to about £200.
QUELLE: http://www.mises.org/resources/4016
Im Buch – siehe angegebener Link – erfahren wir, dass sie 1918 für das Allerdringendste 20.000 Kronen bar abhebt und der Bankangestellte auf sie einpredigt sie solle sofort dringend all ihr Geld umtauschen in Schweizer Franken.
Sie tut es nicht.
Eine weitere Einnahmequelle sind die Zigarrenvorräte ihres verstorbenen Gatten. Sie tauscht sie ein auf dem Schwarzmarkt. Weil sie schon ‘kriminell’ handelt – Schwarzmarktgeschäfte – will sie nicht noch zusätzlich durch Geldumtausch gegen Gesetze verstossen, das ist ihr Motiv den Rat des Bankangestellten sich Schweizer Franken – echtes Geld – zu besorgen, nicht zu befolgen.
Ihr beidseitig beinamputierter Sohn erhält 35.000 Kronen, die er 1918 anlegt in Kriegsanleihen.
Im Dezember muss auf alles Papiergeld der Stempel “Deutschösterreich” angebracht werden. Sie nimmt ihr Bargeld, das was ihr noch geblieben war von den 20.000 Kronen und geht zur Bank. Jetzt erlebt sie das erstemal, das der Ruin sie angrinst.
Der Bankangestellte sagt zu ihr: “Nun, habe ich nicht Recht gehabt? Wenn Sie in Schweizer Franken getauscht hätten, dann hätten Sie jetzt nicht drei Viertel Ihres Vermögens verloren.” -
Sie erwidert die Krone werde sich wieder erholen.
Darauf lacht der Bankmensch schmutzig und sagt: “Glauben Sie? Nehmen sie doch diesen Kronenschein hier und versuchen Sie sein Versprechen einzulösen.” Er zeigt ihr Schein, der verspricht dass seine Vorlage honoriert wird mit 20 Silberstücken.
Sie darauf: “Aber ich habe Staatsanleihen. Sichereres gibt es nicht!”
Bankmensch: “Sehr verehrte gnädige Frau! Wo ist denn der Staat, der Ihnen die Garantie gab? Es gibt ihn nicht mehr. Er ist tot.”
Die Geschichte geht noch weiter und verschlimmert sich nach diesem Bankerlebnis.
(Die genannten 200 Pfund Sterling wären 1975 3000 Pfund gewesen schreibt der Autor im Vorwort. Über den Daumen gepeilt wären dies heute rund 10.000 Pfund also rund 10.000 Euro. Allerdings wird dabei vergessen, beim Umrechnen, dass 1914 österreichische Kronen oder Deutsche Mark oder Pfund Sterling alle von jeder Bank anstandslos zu festen Kursen in Gold getauscht wurden!)
Ich las das Erleben der Anna Eisenmenger und staunte und gratulierte mir, dass ich noch Menschen erleben durfte, leibhaftig, die dieser Generation entstammten. Was haben die auszuhalten gewusst!
Die Abenteuer der Anna Eisenmenger veranlassten mich einschlägige Horoskope für 1919 für Österreich zu betrachten und aus gewissen Gründen, die ich detailliert anderswo beschreibe, wurde mir blümerant zumute.
Hier ist das Jahreshoroskop der Astrologie Hamburger Schule für Österreich 1919:
Deutlicher geht es nicht.

