Juli 7, 2008...8:06 am

Die hohe Kunst der Manipulation durch Interviews

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Unsere Massenmedien glänzen in der Kunst mit Interviews zu manipulieren.

Die hohe Kunst der Manipulation durch Interviews besteht aus den Elementen:

  • Man wähle nur diese Interviewpartner aus, die Vertreter der Ansicht sind, die uns eingehämmert werden soll. Man ‘interviewt’ (Warum hier Hochstriche stehen wird später erklärt.) also beispielsweise Barroso oder Cohn-Bendit (oder beliebige andere Vertreter ein- und derselben Ansicht. Das ist Trick No. 16 – “Wollen Sie Kartoffeln oder Erdäpfel?” – aus der uns bekannten Liste.) Man interviewt eben gerade nicht Vertretet der anderen Ansicht, man öffnet keinen publizistischen Raum etwa für: Prof. Dr. Schachtschneider, Daniel Hannan MEP, Nigel Farage MEP, Jens-Peter Bonde, Dr. Hans-Peter Martin MdEP.
  • Man stelle den handverlesenen Interviewpartnern keine Fragen, die die Argumente der Gegenseite enthalten würden. Man frage also beispielsweise nicht:
    “Führt der Reformvertrag zu Aufrüstung?”
    “Warum hält sich die EU nicht an die eigenen Regeln?”
    “Führt der Reformvertrag zu Militarisierung?”
    “Führt der Reformvertrag zum Sozialdumping?”
    “Führt der Reformvertrag zu Lohndumping?”
    “Führt der Reformvertrag zu Steuerdumping für Unternehmen?”
    Verletzt der EU-Vertrag  das Prinzip der Gewaltenteilung (siehe Art. 48 Abs. 6 EU-Vertrag)?”
    “Ist es wahr, daß die Freiheiten von Unternehmen Vorrang haben vor den Grundrechten von Menschen, wie es die Gegner kritisieren?”
    Was meinen Sie zu der Freiheitsrede von Präsident Vaclav Klaus?

    Diese Fragen würden den handverlesenen Interviewpartner in Verlegenheit bringen, sie würden auf wunde, auf diskussionsbedürftige, Punkte zielen und werden gerade deswegen nicht gestellt.

  • Man nehme die Worte des ‘Interview’partners als Offenbarung hin. Keinesfalls hake man nach. Keinesfalls hinterfrage man, selbst wenn offenbarer Unsinn erzählt wird. Hier ist die allerwichtigste Regel: Keine kritischen Fragen stellen, d. h. hin und wieder stellt man schon ‘kritische’ Fragen, es sind aber nur scheinkritische Fragen, gerade nicht die wirklich wichtigen, hier haben wir es wieder mit dem Trick No. 16 (“Kartoffeln oder Erdäpfel”) zu tun. Ergebnis: Als ob der ‘Interviewte’ sich selbst ‘interviewt’. (Kennen wir das nicht schon irgendwoher? Wie war das mit dem “Bewachten, der sich selbst bewacht“?)

Paradigmatisch (Als Musterbeispiel) finden wir alle eben genannten Tricks und Manipulationen in einem ‘Interview’ der FAZ vom 27. 06. 2008 mit dem EU-Kommissionspräsidenten Barroso.

Bezeichnenderweise wird es nicht ‘Interview’ genannt sondern es trägt den Titel “Barroso im Gespräch” (kursiv von mir). Ja, da sind sie wirklich ehrlich. Noch ehrlicher wäre gewesen etwa “Plauderstündchen mit Barroso”.

Das ‘Interview’ erschien in der gedruckten Ausgabe der FAZ vom 28. 06. 2008 (Wochenendausgabe).

Es ist einigermaßen lang, aber es werden keine kritischen Fragen gestellt, es werden nur scheinkritische Fragen aufgeworfen und es wird schlicht unterlassen nachzuhaken, auch wenn es journalistische Pflicht wäre.
Neben all den schon genannten unterlassenen Fragen haben wir Paradebeispiele für unterlassenes Nachhaken, wo Nachhaken journalistische Pflicht gewesen wäre:

Barroso spricht: “Die Ratifikation soll in den anderen Ländern weiterlaufen, während wir mit unseren irischen Freunden über eine Lösung reden.”
Hier (nicht nur hier!)  hätten die drei (!) Interviewer (einer davon schrieb in der folgenden Wochenendausgabe der FAZ einen Leitartikel, in dem er suggerierte die Kritik des EU-Vertrages sei “Populismus” oder “Hetze”) von der FAZ unbedingt nachhaken müssen. Hier hätte gefragt werden müssen:

  • “Warum hält sich die EU nicht an die eigenen Regeln?”
  • “Was genau meinen Sie mit den Worten ‘mit unseren irischen Freunden über eine Lösung reden’?”
    “Was genau ist unter ‘Reden’ zu verstehen? Vielleicht “Unter Druck setzen”?”
    “Ist das auch Ihre Ansicht (das folgende Zitat zeigt ein Denken, das vorher, zur Zeit des ‘Interviews’ schon längst bekannt war): “What we can tell the Irish is the deadline, the calendar that we all need” “
  • “Sie sagen ‘Freunde’. Warum beschimpfen (siehe auch hier) hochrangige Adepten der EU die Iren?”

Pactio Olisipiensis Censenda Est!

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