Juni 17, 2008...11:15

Seriöse Kritik am Vertrag von Lissabon

Zu den Kommentaren

Hier finden Sie eine klare, übersichtliche, seriöse Darstellung wesentlicher Kritikpunkte an der EU-Verfassung am Vertrag von Lissabon:

4. Die wesentliche Kritik an dem Vertrag von Lissabon ist die folgende:

a) Der Sache nach begründet der Vertrag faktisch einen Bundesstaat, obwohl es der Europäischen Union an einem „Unionsvolk“ mit originärer Hoheit fehlt. Ein solcher Integrationsschritt, den der Vertrag macht, setzte Referenden der europäischen Völker voraus, die aber nicht vorliegen.

b) Die Zuständigkeiten, Aufgaben und Befugnisse der EU sind (auch schon jetzt) übermäßig weit, zumal diese von der Judikatur des Gerichtshofs der Union extensiv gehandhabt werden. Die Politik der EU wird immer weniger von den nationalen Parlamenten vorausgesehen und verantwortet, obwohl das Bundesverfassungsgericht dies im Maastricht-Urteil von 1993 um der demokratischen Legitimation willen ausdrücklich gefordert hat.

c) Die Mitgliedstaaten büßen mit dem Lissabon-Vertrag die Wirtschaftshoheit weitestgehend ein. Die EU übernimmt zunehmend die Justiz- und Polizeipolitik, also die Verantwortung für die innere Sicherheit der Mitgliedstaaten. Darüber hinaus wird die Verantwortung für die äußere Sicherheit und entsprechende Militäreinsätze erweitert.

d) Das höchste Gericht wird mehr und mehr der Gerichtshof der Europäischen Union, obwohl dieser für seine Rechtsprechungsmacht nicht demokratisch legitimiert ist. Er betätigt sich als Motor der Integration.

e) Die finanzpolitische Generalklausel des Art. 311 Abs. 3 AEUV ermöglicht es der Union, europäische Steuern zu erheben oder weitere Kategorien der Eigenmittel einzuführen, ohne daß die nationalen Parlamente dem zustimmen müßten.

f) Im vereinfachten Änderungsverfahren des Art. 48 Abs. 6 EUV ist der Europäische Rat ermächtigt, den Kern der Verfassung, nämlich alle Regelungen des Dritten Teils des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union, der den Binnenmarkt, die Wirtschafts- und Währungsunion, den Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts und viele andere Politikbereiche umfaßt, ganz oder zum Teil zu ändern, ohne daß der Bundestag und der Bundesrat oder gar die Völker dem zustimmen müßten. Auch das Europäische Parlament und die Kommission sind nur anzuhören.

g) Auch die Flexibilitätsklausel des Art. 352 AEUV ermächtigt die Union, sich neue Befugnisse zu geben, wenn das erforderlich erscheint, um die grenzenlos weiten Ziele der Union zu verwirklichen.

h) Der Vertrag verstärkt das demokratische Defizit der EU-Politik, zumal das „Europäischen Parlament “ nicht nach dem Grundsatz der Gleichheit aller Stimmen gewählt wird.

Originalquelle hier.

NEU:

Knapp, klar und auch für Laien verständlich ausgedrückt in
aktuellem Interview

auf stern.de!

Siehe auch dieses kurze, rund zweiminütige Video mit Univ. Prof. Dr. Schachtschneider sowie den ausführlichen Vortrag von Prof. Dr. Schachtschneider, des Anwalts des Anwalts Dr. Gauweiler.

7 Kommentare

  • Was bitte heisst „AEUV“?

  • Hallo Markus!

    “AEUV” heisst: “Vertrag über die Arbeitsweise der EU”, der Bestandteil des Vertrages von Lissabon ist. siehe Wikipedia, Zitat:—–: * auf dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (Vertrag von Rom; EGV), welcher nun in „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEUV) umbenannt wird.—-Zitatende

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Reformvertrag

    Der Reformvertrag (Vertrag von Lissabon) ist
    1. extrem leseunfreundlich gehalten: es gibt Verweisungen ohne Ende und Fußnoten zu Fußnoten. Er ist so verwirrend gehalten, dass es eine Höllenarbeit ist ihn zu lesen. Immer wieder ist es so: die entscheidenden Aussagen sind an extrem versteckter Stelle – in Fußnoten zu fußnoten etwa – zu finden.
    2. Steht in ihm genau das Gegenteil drin als auf den ersten Blick suggeriert wird. Auf den ersten Blick enthält er Wunderschönes: Schöne Prinzipien werden genannt. Aber dann erkennt man, daß diese schönen Prinzipien alle dem Regel-Ausnahme-Prinzip unterliegen. Die edlen Prinzipien werden außer Kraft gesetzt durch Fußnoten, die Ausnahmen enthalten. Diese Ausnahmen verdrehen die schönen Prinzipien in das Gegenteil. Freiheit verkommt zur Diktatur. Leben verkommt zur Todesstrafe. Demokratie wird zur Diktatur.
    3. Hat die Exekutive der EU alles getan um zu verhindern eine lesefreundliche Version herauszubringen. Sie verbot dies allen Instanzen der EU. Sie verfuhr expressis verbis nach den Worten “erst ratifizieren, erst unterschreiben, dann lesen.” Kein normaler Mensch wird sich freiwillig die Höllenarbeit machen das absolut verwirrend aufgemachte Machwerk zu lesen.
    Es ist genauso wie mit unserer Aklltagserfahrung: wie oft ist im “Kleingedruckten” das eigentlich Entscheidende zu finden?
    Wir Bürger sollen das “Kleingedruckte” des Reformvertrages garnicht lesen. Wir sollen es garnicht erfahren.

    Viele Grüße!
    H.

  • Völliger Schwachsinn!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Naja, ich würde sagen das die Kritik alles ist aber nicht seriöus….man kann keinen zumuten den Vertrag zu lesen. Aber es wird alles andere als Bundesstaat oder ein Staatenbund deklariert.

    Wer mit dem Vertrag nicht zufrieden ist, kann sich ja für eine Bürgerinitiative einsetzten die verfassungskomform ist.

    P.S.glaubt einer wirklich das in diesen Jahren, irgendein Staat Europas für einen Superstaat ist??
    Wer nur ab und zu Nachrichten guckt und sich für Wahlergebnisse interessiert wird schnelle merken, das nationale Kräfte im kommen sind.

  • EU-Betrüger:

    “Das Ziel des Verfassungsvertrags war es, lesbar zu sein; das Ziel dieses [des Lissabon-] Vertrags ist es, unlesbar zu sein. …
    Die Verfassung zielte auf Klarheit ab, während dieser Vertrag unklar sein muß. Er ist ein Erfolg.”
    - Karel de Gucht, Belgischer Außenminister

    http://fact-fiction.net/?p=728

  • …wieso guckt Ihr überhaupt Fernsehen Kinder? – guckt lieber in den Himmel!
    Peace!

  • Bitte um eine realistische und nachvollziehbare Alternative zur europäischen Union in Hinblick auf eine zunehmend globalisierte Welt. Wer sollte im globalen Machtspiel die Interessen Europas vertreten? die USA?
    Oder gibt es dieses Machtspiel gar nicht, übernehmen Chinesen gar nicht Afrika, beherrschen die USA gar nicht militärisch die Welt usw., usw.,


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