Juni 11, 2008...4:55

Soziale Marktwirtschaft

Zu den Kommentaren

Dieser Tage hat die “Soziale Marktwirtschaft” Geburtstag.

Eigentlich ist es närrisch von mir darüber zu schreiben, denn die allerwenigsten interessieren sich für wirtschaftliche Belange, manche wollen nicht lesen und wollen auch nicht denken.
Zudem ist der Zug ohnedies abgefahren:
Einerseits signalisiert die Astrologie Hamburger Schule überdeutlich wachsende moralische Verkommenheit bei sogenannten “Eliten” und andererseits ist ein Motiv meines Schreibens moralische Entrüstung. Diese Entrüstung meinerseits – mein Privatproblem – ist so stark, dass ich mir Luft machen will. Darum schreibe ich an dieser Stelle.

Die Väter der Sozialen Marktwirtschaft waren durchdrungen von ethischen Gedanken. Für sie war es selbstverständlich, daß die Wirtschaft abhängig ist von Ethik.
Das kann man deutlich nachlesen in ihren Büchern. Leider Gottes sind die Bücher nicht gratis online herunterzuladen. Das ist sehr schade. Kein einziger war ein bloßer Wirtschaftler, jeder hatte einen weiten geistigen Horizont. Gestalten aber – die aus der eigenen geistigen Beschränkung einen akademischen Titel machten – sind heute reichlichst vorhanden.
Die Ethik bestimmt den Rahmen.
Für den Rahmen ist der Staat zuständig.
Daher heißt es Ordnungspolitik.
In der sozialen Marktwirtschaft setzt der Staat diesen Rahmen der Ordnung. Diese Ordnung ist auch vor allen Dingen sittlich-moralisch.

Zur Verdeutlichung ein Zitat bezüglich der sozialen Marktwirtschaft, Hervorhebungen von mir:

Zitat:
Dieser von Alfred Müller-Armack geprägte Begriff kennzeichnet ein Wirtschaftsmodell, das bei grundsätzlicher Unterstützung der wirtschaftlichen Freiheit zugleich die Regulierungs- und Kontrollfunktion des Staates betont, um unsoziale Auswirkungen zu verhindern und “Wohlstand für alle” zu schaffen. Zu den staatlichen Aufgaben zählt vornehmlich der Schutz des freien Wettbewerbs, die Steuerung der Einkommens- und Vermögensverteilung und die Regelung der Struktur- und Finanzpolitik.


Quelle: Deutsches Historisches Museum:
http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/JahreDesAufbausInOstUndWest/WirtschaftlicherAufbau/sozialeMarktwirtschaft.html

Ethik ist offensichtlich passé. Jedenfalls – erinnern wir uns einfach an die Säue, die in den letzten Monaten nur durchs Dorf getrieben wurden: Spitzelaffären, Korruptionsaffären, Bestechungsaffären…Muss ich Namen nennen? Mir fallen auf Anhieb Namen ein von Firmen, die jedes Kind kennt.

In gewisser Weise ist es normal dass wirtschaftliche Entitäten den – um es sehr milde zu sagen – Rahmen auszuloten versuchen.
Dass sie die Ordnung testen.
Für eben diese Ordnung ist der Staat zuständig. Für ihn handeln die Politiker. Wenn nun diese selbst versagen dann ist es einfach aus. Dann ist es zappenduster. Dann können wir die “Soziale Marktwirtschaft” auf das Klo hängen.
Und offensichtlich versagt diese Kaste.
Musterbeispiel ist die IKB. Sie machte mächtig Miese und ihr Hauptaktionär ist die KfW. Im Kontrollgremium der KfW saßen/sitzen im Kontrollgremium Politiker aller Parteien. Ganz offensichtlich versagte dieses Kontrollgremium. Sein Versagen kostete den Staat, also uns alle, bislang Unsummen, von denen weitere 500 Millionen erst vergangene Woche zugegeben wurden. Zuvor war diese Zahlung, die im vergangenen Sommer schon erfolgte, VERSCHWIEGEN worden. Sie kam ans Licht durch eine Finanzagentur.
http://www.zeit.de/online/2008/23/ikb-untersuchungsausschuss?from=rss

Diese Herrschaften, hier ein Auszug vom März 2008:

Zitat:
• Jürgen R. Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V.;

• Andreas Langenscheidt, Geschäftsführender Gesellschafter der Langenscheidt KG,

• Prof. Dipl.-Kfm. Thomas Bauer, Vorsitzender des Vorstands der BAUER AG,

• Martin Kannegiesser, Geschäftsführender Gesellschafter der Herbert Kannegiesser GmbH & Co.

• Dr. Michael Kaschke, Mitglied des Vorstands der Carl Zeiss AG

• Nicolette Kressl, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium der Finanzen,

• Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA,

• Torsten Toeller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Fressnapf Tiernahrungs GmbH.


http://info.kopp-verlag.de/news/article/skandal-bank-ikb-goennt-sich-59-aufsichtsraete-und-berater.html?tx_ttnews[backPid]=2&cHash=6efa11c008
wurden höflich schriftlich gefragt:

Zitat:
– Wie hoch waren im Geschäftsjahr 2006/2007 die Zuwendungen an den Aufsichtsrat, und zwar insgesamt und pro Mitglied?

– Wie hoch waren im Geschäftsjahr 2006/2007 die Zuwendungen an den Beraterkreis, und zwar insgesamt und pro Mitglied?

Raten Sie mal ob es eine Antwort gab.

Hier das Kontrollgremium der KfW. (Natürlich erfolgt die Tätigkeit dieser Herrschaften nicht gratis. Hochkarätiges Expertentum hat seinen Preis.)

Zitat:
Vorsitzender des Verwaltungsrats:
Michael Glos
Bundesminister für Wirtschaft und Technologie

Stellvertretender Vorsitzender:
Peer Steinbrück
Bundesminister der Finanzen

Weitere Mitglieder sind:

Dr. Günter Baumann
Mitglied des Vorstands des DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Anton F. Börner
Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels e.V.

Dr. Uwe Brandl
Präsident des Bayerischen Gemeindetages

Frank Bsirske
Vorsitzender der ver.di – Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft

Professor Dr. Ingolf Deubel
Minister der Finanzen des Landes Rheinland-Pfalz

Professor Dr. Kurt Faltlhauser
Staatsminister des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen a.D.

Sigmar Gabriel
Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Heinrich Haasis
Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Peter Jacoby
Minister der Finanzen des Saarlandes

Dr. Siegfried Jaschinski
Vorsitzender des Vorstands der Landesbank Baden-Württemberg

Bartholomäus Kalb
Mitglied des Deutschen Bundestages

Roland Koch
Ministerpräsident des Landes Hessen

Jürgen Koppelin
Mitglied des Deutschen Bundestages

Oskar Lafontaine
Mitglied des Deutschen Bundestages

Waltraud Lehn
Mitglied des Deutschen Bundestages

Dr. Helmut Linssen
Minister der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen

Claus Matecki
Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Dr. Michael Meister
Mitglied des Deutschen Bundestages

Franz-Josef Möllenberg
Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Hartmut Möllring
Minister der Finanzen des Landes Niedersachsen

Klaus-Peter Müller
Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken e.V.

Matthias Platzeck
Ministerpräsident des Landes Brandenburg

Dr. Christopher Pleister
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken e.V. (BVR)

Alexander Rychter
Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes Freier Immobilien-und Wohnungsunternehmen e.V.

Christine Scheel
Mitglied des Deutschen Bundestages

Hanns-Eberhard Schleyer
Generalsekretär
des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks

Horst Seehofer
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Michael Sommer
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Gerhard Sonnleitner
Präsident des Deutschen Bauernverbandes e.V.

Dr. Frank-Walter Steinmeier
Bundesminister des Auswärtigen

Ludwig Stiegler
Mitglied des Deutschen Bundestages

Jürgen R. Thumann
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V.

Wolfgang Tiefensee
Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Heidemarie Wieczorek-Zeul
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

N.N.
Vertreter des Industriekredits


Quelle:
http://www.kfw.de/DE_Home/Die_Bank/Unser_Unternehmen/DieOrganisationderKfW/DerVerwalt.jsp

Im vorliegenden Fall der KfW sieht die Regelungs- und Kontrollfunktion des Staates so aus:
Milliardenverluste werden dem kleinen Mann, dem Steuerzahler, aufs Auge gedrückt. Verluste werden vergesellschaftet. Gewinne fließen in private Taschen.
Und die Steuerung der Einkommens- und Vermögensverteilung findet wahrhaftig statt. Ja, eindeutig. Sie findet statt.
Du fragst wie?

Die Väter der “Sozialen Marktwirtschaft”:

  • Walter Eucken
  • Müller-Armack
  • Wilhelm Röpke

um nur diese zu nennen, hätten extrem deutliche Worte für das gefunden, was gegenwärtig in unserem Staat stattfindet.

Nebenbei:
Die soziale Marktwirtschaft enthält auch wichtige Einflüsse aus der katholischen Soziallehre und diese wiederum von Thomas von Aquin, Plato und der Bibel. Und was Jesus mit den Wechslern tat ist bekannt.

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